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Neue Krebsoperationen

Die Behandlung eines Krebsleidens durch Operation, Bestrahlung, Medikamente oder Kombinationen aus diesen Modalitäten führt nicht in allen Fällen zu einer Heilung. Zudem verursachen die Krebsbehandlungen häufig temporäre oder dauerhafte Schädigungen. Die Verbesserung der Krebstherapie durch Erhöhung der Heilungschance zum einen und Verringerung der Nebenwirkungen zum anderen ist deshalb ein wichtiges Ziel der weltweiten onkologischen Forschung. Die UFK Leipzig leistet hierzu mit der Entwicklung eines neuen Operationsprinzips auf embryonaler Grundlage und daraus abgeleiteten neuen Operationstechniken zur Behandlung gynäkologischer Krebserkrankungen einen besonderen Beitrag.

Das Prinzip

Bösartige Tumoren breiten sich über eine relativ lange Phase ihres Bestehens innerhalb eines durch den Körperbauplan festgelegten Gewebekompartimentes aus. Diese morphogenetische Einheit schließt bei inneren Organen ihre spezifischen neurovaskulären Versorgungs- und Fixationsstrukturen ein. Unmittelbar benachbarte Gewebe anderer embyronaler Kompartimente werden trotz ihrer engen räumlichen Beziehung zunächst nicht vom Tumor infiltriert. Die vollständige Entfernung der jeweiligen morphogenetischen Einheit oder eines Segmentes dieses Kompartiments mit minimalem operativem Trauma unter Erhalt der benachbarten Strukturen anderen embryonalen Ursprungs führt zur maximalen lokalen Tumorkontrolle bei geringster behand-lungsbedingter Morbidität.
Im Falle einer lokal fortgeschrittenen oder wiederkehrenden Krebserkrankung kann der Tumor bei vollständiger Zerstörung der morphogenetischen Einheit durch die Tumormasse oder in Folge posttherapeutischer Narben die Grenzen des embryonalen Kompartiments überschreiten. Zur Tumorentfernung mit dem Ziel der lokalen Kontrolle müssen dann die benachbarten viszeralen und parietalen Kompartimente einbezogen werden.

Höckel M, Dornhöfer N.
The Hydra phenomenon of cancer: Why tumors recur locally after microscopically complete resection.
Cancer Res, 65: 2997-3002, 2005.
http://cancerres.aacrjournals.org

Totale mesometriale Resektion (TMMR)

Exstirpation der Müllerschen morphogenetischen Einheit und therapeutische Lymphknotenentfernung auf der Grundlage der embryonal definierten viszeroparietalen Kompartimentierung des Beckens mit hoher operativer Auflösung unter Erhalt der neurovaskulären Versorgung der Harnblase, des Rektums und der Restscheide zur Behandlung des Zervixkarzinoms FIGO IB - IIB.
  • Bei Tumorgröße über 5 cm neoadjuvante Chemotherapie
  • Bei zwei und mehr Lymphknotenmetastasen adjuvante Chemotherapie
  • Keine adjuvante Strahlentherapie!
  • Lokale Tumorkontrolle: 97% (Standard 80-85 %)
  • Morbidität (Franko-italienischer Score): 9% Grad II (Standard 25-30% Grad II und III)

Modifizierte TMMR zur Behandlung des Vaginalkarzinoms FIGO I – II, des Korpuskarzinoms FIGO IIB und der Uterussarkome.

Höckel M, et al. Total mesometrial resection: High resolution nerve-sparing radical hysterectomy based on developmentally defined surgical anatomy. Int J Gynecol Cancer 2003; 13: 791-803.
http://www.blackwell-synergy.com

Höckel M, Horn L-C, Fritsch H. Association between the mesenchymal compartment of uterovaginal organogenesis and local tumour spread in stage IB - IIB cervical carcinoma: a prospective study. Lancet Oncol 2005; 6: 751-56.
http://www.thelancet.com/compartment

Höckel M. Do we need a new classification for radical hysterectomy? Insights in surgical anatomy and local tumor spread from human embryology. Gynecol Oncol 2007; 107: S106-S112.
http://www.sciencedirect.com


Vulvafeldresektion (VFR) und anatomische Rekonstruktion

Totale oder partielle Resektion embryonal definierter Vulvakompartimente; therapeutische inguinale Lymphknotenentfernung und primäre Rekonstruktion unter anatomischen und funktionellen Gesichtspunkten zur Behandlung des Vulvakarzinoms und seiner Lokalrezidive. Zur Rekonstruktion dienen lokale Hautflaps aus Gewebe benachbarter Kompartimente anderen embryonalen Ursprungs (z.B. Limberg-Flap, V-Y Flaps, axial pattern Flaps) oder Fasziokutan- und Muskulokutanflaps. Die Auswahl der optimalen Rekonstruktionstechnik erfolgt intraoperativ in Abhängigkeit von der Lokalisation und Ausdehnung des Gewebedefektes und lokaler Vorbehandlungen.

Höckel M, Dornhöfer N. Vulvovaginal reconstruction for neoplastic disease. Lancet Oncol 2008; 9: 559-68


Lateral erweiterte endopelvine Resektion (LEER)

Abdominale und abdominoperineale pelvine Multikompartiment-Resektion en bloc mit Anteilen der Beckenwand- und Beckenbodenmuskeln und des Iliaca interna-Gefäßsystems; therapeutische Lymphknotenentfernung auf der Grundlage der embryonal definierten viszeroparietalen Kompartimentierung des Beckens; angepasste pelvine Rekonstruktion/suprapelvine Substitution der Organfunktionen zur Behandlung von lokal fortgeschrittenen und rezidivierenden Genitalkarzinomen, auch mit Beckenwandfixation.

  • Kontraindikationen: Fernmetastasen, Bezug zum Foramen ischiadicum, Tumorgröße nach Strahlentherapie > 5 cm.
  • 5-Jahresüberlebenswahrscheinlichkeit: 60%

Höckel M. Laterally extended endopelvic resection. Novel surgical treatment of locally recurrent cervical carcinoma involving the pelvic side wall. Gynecol Oncol 2003; 91: 369-77.
http://www.sciencedirect.com

Höckel M. Ultra-radical compartmentalized surgery in gynaecological oncology. Eur J Surg Oncol 2006; 32: 859-65.
http://www.sciencedirect.com

Höckel M, Dornhöfer N. Pelvic exenteration for gynaecological tumours: achievements and unanswered questions. Lancet Oncol 2006; 7: 837-47.
http://www.thelancet.com/exent

Höckel M. Laterally extended endopelvic resection (LEER) – Principles and practice. Gynecol Oncol 2008; 111: S13-S17.
http://www.sciencedirect.com


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Letzte Änderung: 28.01.2009 | Autor: Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. M. Höckel
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